Historie
Die Vereinigung der Bad Nauheimer Ärzte e.V. (BNÄV) gründet sich auf der Liste der Bad Nauheimer Badeärzte, die seit den 1880er Jahren geführt wurde und ist damit einer der ältesten Ärztevereinigungen Deutschlands.
Mit Gründung der Kassenärztlichen Vereinigungen 1931 fiel der BNÄV die Aufgabe zu, den Kassenärztlichen Vertretungsdienst für Bad Nauheim zu organisieren. Erst im Oktober 2013 wurde der zentrale kassenärztliche Bereitschaftsdienst mit der bundesweit geltenden Rufnummer 116 117 eingeführt.
Legendär waren die Bad Nauheimer Fortbildungstage im Kurhaus Bad Nauheims, die von der BNÄV organisiert wurden und bei der bis zu 1000 ärztliche Kolleginnen und Kollegen teilnahmen. Unterstützt wurde die BNÄV dabei durch das Balneologische Institut und das Kerckhoff-Institut Bad Nauheim. Beendet wurden diese Aktivitäten erst im Jahre 1970 mit der Gründung der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen.
Die BNÄV hatte in ihrer Geschichte mehrere bedeutende Mitglieder:
Isidor M. Groedel war ein bedeutender Arzt, Pionier der Balneologie (Thermal- und Solebäder) und Kardiologie. Er hatte maßgeblichen Einfluss bei der Gestaltung der Badeanlagen im Sprudelhof und war 1912 Leibarzt der letzten Deutschen Kaiserin Auguste Victoria während ihrer Kur.
Sein Sohn Franz Groedel, der spätere Direktor des Kerckhoff-Institutes, und Arthur Weber, Direktor des Balneologischen Institutes, gehören zu den Gründungsvätern der heutigen Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die 1927 in Bad Nauheim im damaligen Badehaus VIII, gegründet wurde.
Alfred Martin war ein bedeutender Balneologe und Gründungsmitglied der DGK, aber auch bedeutender Heimatforscher (1909 bis 1937 erster Vorsitzender des Heimatvereins Bad Nauheim, Herausgeber der ersten 13 Bände des Bad-Nauheimer Jahrbuchs (1911–1934))
Der einst am Kerckhoff-Institut tätige jüdisch-stämmige Bakteriologe Hans E. Enoch kam nach seiner Emigration nach England mit der ersten Fortentwicklung des Penicillins, Vivicillin, zu Ruhm.
Ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Vereinigung Bad Nauheimer Ärzte stellt ihre Beteiligung an den nationalsozialistischen Verfolgungen ihrer nichtarischen Mitglieder dar. Diese wurden bereits 1933 boykottiert. Das führte zu dem Entzug deren kassenärztlichen Zulassungen 1933 und dem Verlust deren Approbation 1938.
Dass nur ein Mitglied der BNÄV, David Löwenstein, im Holocaust umkam, war der Tatsache geschuldet, dass Bad Nauheimer Ärzte im Ausland ein hohes Ansehen genossen und fast alle rechtzeitig emigrieren konnten.

